
Claudia Kühn, Tara Spruit
Emma
Verlag: Loewe Graphix
Preis: 24€
ISBN: 978-3-7432-1727-0
Jugend Graphic Novel
Emma Woodhouse verkuppelt gerne ihre Mitmenschen, auch wenn es nicht jeder gut aufnimmt. Das merkt auch schnell Harriet Smith, die aber die Freundschaft mit Emma behalten möchte. Deswegen schlägt sie auch den Heiratswunsch von Mr. Martin aus. Zusätzlich kommen natürlich noch die Gesellschaftlichen Verpflichtungen dazu, auch wenn das Emma nicht immer zu gefallen scheint. So findet sie die Zusammenkünfte mit Jane Fairfax eher schrecklich, die aber von Mr. Churchill oder Mr. Knightley findet sie ganz amüsant. Nach und nach muss Emma aber feststellen, dass ihr Verhalten nicht immer gut war und sie stellt sich dann doch die Frage, kann sie einfach so weiter machen?
Ich war ganz aus dem Häuschen als ich sah, dass von Claudia Kühn und Tara Spruit eine neue Graphic Novel Adaption von Jane Austen kam. Stolz und Vorurteil fand ich ja schon richtig toll und deswegen wollte ich dann auch unbedingt Emma lesen. Der gesamte Stil ist auch wirklich wundervoll, die Zeichnungen gefallen wir noch immer wahnsinnig gut. Die Farben passen auch wieder zu den einzelnen Situationen. Die Gesichter spiegeln die Gefühle und Gedanken der einzelnen Personen wieder und man weiß immer ganz genau, wie sich diese Person fühlt.
Dennoch war es für mich ganz schwierig die Charaktere alle zu mögen. Mir hat z.B. Harriet unglaublich leidgetan und ich hatte gehofft, dass sie sich von Emma lossagt. Denn gerade diese Beziehung zwischen den beiden, fand ich ganz schlimm. Harriet hatte die Liebe gefunden und wegen einer kleinen Neugier von Emma über die Person Harriet, wurde ihr sie fast verwehrt, Emma war eigentlich den gesamten Band über eine der unbeliebtesten Personen für mich. Natürlich hat sie zum Ende hin sich etwas gebessert und ihr Charakter ist dadurch auch etwas besser geworden. Aber das Verhalten, sie wisse was gut für die anderen Personen ist und hat dementsprechend darüber bestimmt, wie diese sich Verhalten sollen, war - meiner Meinung nach - richtig toxisch. Dementsprechend kann ich auch gar nicht wirklich glauben, dass sie am Ende doch noch glücklich wurde. Weitere Beispiele für toxisches Verhalten waren Emmas Vater, der sie nicht gehen lassen wollte und am Ende es “geschafft” hat, dass Emma und Mr. Knightley da bleiben, obwohl sie verheiratet sind und Mr. Knightley von woanders her kam.
Aber auch Mr. Elton und seine zukünftige Mrs. Elton waren furchtbar. Natürlich gehört das ja alles zur Geschichte dazu und wahrscheinlich war früher das “normal”, aber es heutzutage zu lesen, war für mich schon eine Herausforderung.
Nichtsdestotrotz ist es eine gut lesbare und auch zusammenhängende Geschichte, die man gut nachvollziehen kann und in der man trotzdem merkt, dass eine gewisse Zeit innerhalb der Geschichte vorüber geht. Es war z.B. auch gar nicht seltsam und hat sich wirklich wie ein guter Zeitfluss angefühlt, auch wenn Mrs. Weston eine gesamte Schwangerschaft plus Geburt hinter sich hatte. Es hat einfach hervorragend gepasst!
Wo ich das Buch - egal ob der Roman oder die Graphic Novel - richtig gut sehe kann, sind gesellschaftliche Diskussionen und kritische Hinterfragungen. Besonders in den Schulen. Man kann einfach sehr gut sehen, wie so etwas in der heutigen Zeit einfach nicht funktionieren kann und trotzdem kann man was davon mitnehmen. Außerdem ist so das Werk auch definitiv für jüngeres Publikum geschaffen und annehmbar. Denn ich glaube kaum, dass Jugendliche außerhalb der Schule dieses Werk als Roman lesen würden. Als Graphic Novel sieht das schon wieder anders aus und das finde ich noch immer gut, auch wenn mir persönlich die Geschichte Emma nicht gefallen hat.
Meine Hoffnung ist allerdings eine andere, nämlich dass ich noch mehr von Claudia Kühn und Tara Spruit lesen kann. Denn die beiden schaffen es einfach immer wieder, alte Klassiker in einen richtig tollen neuen Look herauszubringen. Vielleicht kommt ja auch mal was anderes als Jane Austen zustande oder aber ein weiteres Werk von ihr, welches ich dann auf jeden Fall lesen werde.
Trotz meiner eher negativen Einstellung kann ich diesen Band wirklich jedem Empfehlen, da man einfach so vieles aus der damaligen Zeit lernen und auch für die heutige Gesellschaft etwas mitnehmen kann! Und ich möchte dieses Duo einfach unterstützen und hoffe auch, dass andere sich so in die Arbeit der beiden Autorinnen verliebt wie ich.
