
Alessandro Barbaglia
Sorry, aber ich bleibe
Verlag: WooW Books
Preis: 16,00€
ISBN: 978-3-03967-054-3
Kinderroman
Zeno erlebt das schlimmste, was man erleben kann: er wird sehr schwer gemobbt. Das wurde sogar noch auf Video aufgenommen und fast jeder in seiner Schule macht sich deswegen über ihn lustig. Nur eine nicht: Luna. Sie schreibt ihm, dass es ihr leid tut und fängt dadurch an, sich ihm zu nähern. Und obwohl Zeno am Anfang nicht sehr begeistert von ihren Nachrichten ist, so schreibt er irgendwann zurück und merkt, dass es ganz gut tut, eine Freundin zu haben. Doch obwohl Luna immer wieder betont, dass sie ganz genau weiß wie sich Mobbing anfühlt, will sie nicht darüber schreiben. Wird Zeno es noch erfahren? Und wird es für Zeno leichter in die Schule zu gehen, wenn er ja jetzt eine Verbündete hat?
Ich fand das Buch aufgrund des Titels ganz spannend. Ich hatte irgendwie dadurch schon das Gefühl, dass es sich mit dem Thema Mobbing beschäftigt. Und ich sollte nicht enttäuscht werden, denn Zeno wird wirklich sehr stark gemobbt. Doch fand ich Luna schon etwas Übergriffig. Ihre Beharrlichkeit mit dem Schreiben und auch immer nur das “Tut mir leid” waren schon nervig und auch dieses ganze bestimmte in ihre Texten. Dass sie alles vorgibt, wie das alles abläuft. Es bessert sich und man merkt auch, dass es die Angst war, die sie so handeln hat lassen. Dennoch finde ich es etwas schwierig.
Aber auch die gesamte Mobbing Thematik ist schwierig. Es ist ein wahnsinnig wichtiges Thema und ich hatte die gesamte Zeit das Gefühl, dass etwas fehlt.
Auch gab es irgendwie keine wirklichen Konsequenzen für die Mobber. Erst am Ende wurde dann mit den Eltern, der Schulleitung sowie der Polizei gesprochen. Wobei ich die Polizei schon etwas heftig finde, aber vielleicht sollte es gerade das auch sein. Heftige Konsequenzen für so ein Verhalten. Aber auch, dass die Eltern oder die Schulleitung nichts mitbekommen haben, fand ich schon etwas seltsam. Das man den Eltern das vielleicht nicht sagt, ok. Aber das die es noch nicht mal wirklich interessiert, dass der Sohn “krank” ist, hört sich für mich nicht in Ordnung an. Natürlich hat man nur aus dem Chatverläufen lesen können und was sonst im Hintergrund passieren könnte, war nicht ersichtlich. Dementsprechend gibt es da sehr viele Lücken, die mit der eigenen Fantasie gefüllt werden müssten. Aber sie schließen sich nicht, da man ja nicht weiß, was genau passiert und es auch keine Verbindungen zur Geschichte gibt. Es wäre also nur eine eigene Hintergrundgeschichte, die komplett frei erfunden wäre.
Das schlimmste ist aber, dass die Schule einfach gar nichts mitbekommen haben soll. Zeno soll von den Putzleuten freigelassen worden sein. Aber wie konnte er denn überhaupt eingesperrt werden? Und warum haben die Putzleute der Schulleitung nicht gesagt: “Hey, als wir putzen waren, mussten wir einen Jungen aus einer Toilette befreien, da er dort eingesperrt wurde.” Bücher müssen nicht immer Konsequenzen haben oder diese Aufzeigen. Aber bei so einem Thema finde ich schon, dass sich das gehört. Denn so kommt es erst mal nur rüber: “Ja, Mobbing ist schlecht, aaaaber…”
Natürlich gehen sie am Ende zur Polizei, aber ich bin mir nicht sicher ob das eine ausreichende Message für die Leser ist.
Ansonsten finde ich das Buch doch ziemlich gut. Es ist flüssig zu lesen und auch der Text ist einfach gehalten und für Kinder ideal gemacht. Die Aufmachung der Seite, dass es immer Textnachrichten sind, finde ich auch sehr passend. Mich haben da dann doch eher die “normalen” Seite gestört, weil man es eigentlich die ganze Zeit gewöhnt war, Chatnachrichten zu lesen. Aber irgendwie hat das auch super ins Buch und in die Geschichte gepasst.
Kann dementsprechend das Buch sehr gut empfehlen, auch wenn es - meiner Meinung nach - ein paar Punkte hat, die mir nicht so gut gefallen haben.
